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Was ist Homöopathie?

Das Wort »Homöopathie«

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Der Ausdruck kommt aus dem Griechischen und stammt von dem griechischen Wort homoios = ähnlich und pathos = Leiden oder Krankheit.  Versuchen wir diesen Ähnlichkeitsvorgang, weicher auch »Ähnlichkeitsregel«, lateinisch Simile-Regel genannt wird, an zwei einfachen Beispielen zu verstehen.

Jeder kennt die Wirkung der Zwiebel (allium cepa) auf die Schleimhäute der Nase und von da ausgehend auf die Augen.  Die Schleimhäute werden durch ätherische Öle gereizt und zu einer starken wäßrigen Absonderung veranlaßt.  Diese Wirkung wird nach entsprechender Umarbeitung der Zwiebel in eine arzneiliche Form zur Behandlung einer »ähnlichen Krankheit« benützt: in Tropfen oder Tablettenform verordnet man sie bei einem wäßrigen Schnupfen mit leichten Augenreizerscheinungen, wenn dieser sich in einem warmen Raum verschlimmert.  Der Heilerfolg tritt meist überraschend schnell ein.

Viele Menschen erleben, wenn sie eine Tasse starken Bohnenkaffee am späten Nachmittag oder Abend getrunken haben, daß sie durch die Reizwirkung des darin enthaltenen Koffeins nicht einschlafen können und lange wach liegen, wobei der Geist oft sehr angeregt ist und viele Gedanken durch den Kopf gehen.  Die Homöopathie benutzt diese Wirkung des Koffeins zu entsprechenden Heilzwecken, indem sie das Koffein zu einer Arznei verarbeitet und bei bestimmten Formen von Schlaflosigkeit anwendet, die dem obigen Zustand ähnlich sind.  Coffea ist besonders dann angezeigt, wenn der Patient geistig angeregt ist, ein lebhafter Gedankenzustrom besteht und dadurch der Schlaf verhindert wird.

An diesen einfachen Beispielen läßt sich erkennen, daß die Homöopathie den Patienten viel differenzierter beobachtet als die übliche Medizin.  Man kann nicht sagen: die Zwiebel ist ein Mittel gegen den Schnupfen; das Koffein ist ein Mittel gegen die Schlaflosigkeit.  Vielmehr handelt es sich um Arzneimittel gegen eine bestimmte Form von Schnupfen und gegen eine bestimmte Art der Schlaflosigkeit.  Das hat verständlicherweise zur Folge, daß man sich intensiv mit der Homöopathie beschäftigten muß, um das richtige Mittel zu finden.  Als Folge der genauen Anpassung genügen dann allerdings viel geringere Dosen als bei einem üblichen Schnupfen- oder Schlafmittel.

Die homöopathische Arzneimittelprüfung

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Das homöopathische Arzneimittelbild beruht auf den Beobachtungen einer Prüfergruppe von jungen und älteren, männlichen und weiblichen Prüfern.  Sie nehmen die Pflanze nach bestimmten Vorschriften über einige Wochen ein, wobei Scheinarznei (Placebos) dazwischengeschaltet wird, um die Zuverlässigkeit der Beobachtung zu prüfen.  Die Symptome werden in einem Protokoll gesammelt; der Prüfungsleiter erarbeitet das Arzneimittelbild und veröffentlicht es.  Dazu kommen bei manchen Stoffen wie zum Beispiel Strychnin, dem Hauptwirkstoff der lgnazBohne, Vergiftungsbeobachtungen.  Eine große Rolle spielt bei der Erarbeitung des Arzneimittelbildes außerdem die Erfahrung von Arzt und Patient.  Selbstverständlich läßt sich eine solche Heilanzeige wie »Folgen von Kummer« nicht aus der Arzneimittelprüfung direkt ermitteln. jedoch hat schon bei der ersten Prüfung vor 1828 Samuel Hahnemann die grundlegenden Hinweise gegeben, bei weicher Menschenart lgnatia am besten wirkt.  Inzwischen bewährten sich die Arzneibilder in zahlreichen Fällen auf der ganzen Erde.  Auf diese Weise hat sich auch das jetzt gültige Ignatia-Arzneimittelbild herauskristallisiert.

Die Ähnlichkeitsregel

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Die Ähnlichkeitsregel wurde in die Praxis eingeführt durch Dr. Samuel Hahnemann.  Im Jahr 1790 entdeckte er eine neue Heilregel: im Arzneiversuch am Menschen kann ein ähnliches Wirkungsbild erzeugt werden wie durch eine Krankheit.  Dies wurde durch die Beobachtung ergänzt, daß eine Arznei, die ein solches Wirkungsbild hervorrufen kann, in entsprechender Verarbeitung imstande ist, diese Krankheit zu heilen.

Die individualisierende Arzneitherapie nach der Ähnlichkeitsregel ist das Kernstück der homöopathischen Medizin.  Samuel Hahnemann hat diese Regel und die Anweisung, wie sie angewendet werden soll, im »Organon der Heilkunst« niedergelegt.  Das Heilen nach der Ähnlichkeitsregel - auch als eine nach Symptomen abgestimmte arzneiliche Reiztherapie anzusprechen - ist das Ziel der Homöopathie.

Potenzlehre

Eine weitere Säule der Homöopathie ist die Zubereitung der Arznei, die als angepaßter Reiz gegeben wird.  Und zwar gilt: je besser der Reiz angepaßt wird, desto geringer ist die notwendige, die sogenannte »homöopathische« Dosis.  Da Hahnemann fand, daß massive Arzneigaben wenig wirksam sind, ging er daran, die Substanzen einem Zerkleinerungsprozeß zu unterwerfen.  Dies wird einerseits durch Milchzucker bei den Tabletten, andererseits durch Alkohol bei den flüssigen Lösungen erreicht.  Hahnemann operierte zunächst mit massiven Dosen, das heißt mit tiefen Potenzen oder konzentrierten Verdünnungen.  Später ging er zu mittleren Dosen und Verdünnungen über.

Ignatia D 6, das bei dem erwähnten Krankenbesuch verwendet wurde, ist eine von der Deutschen Homöopathie-Union hergestellte Medizin.  Die Ausgangssubstanz, die sogenannte Urtinktur, wird hierbei nach dem deutschen homöopathischen Arzneibuch zubereitet.  Die Potenzierung erfolgt dann jeweils durch Verreibung mit Milchzucker bei festen, durch Verschüttung mit Wasser-Alkohol-Gemisch bei flüchtigen Substanzen.  Und weil man immer im Zehnerschritt vorging, also ein Teil Ursubstanz (oder: Urtinktur)
auf 9 Teile Verdünnungsmittel, davon wieder ein Teil auf 9 weitere Teile Verdünnungsmittel und so weiter, nannte man die Potenzen Dezimalpotenzen.  Das besagt der Großbuchstabe D mit der Ziffer auf den homöopathischen Arzneien.  Ignatia D 6 heißt also: die sechste Dezimalpotenz aus der Urtinktur; was einer Verdünnung von eins zu einer Million entspricht.

Ignatia D 30 wäre also die dreißigste Dezimalpotenz von Ignatia Urtinktur.  Der Vorgang des Verdünnens ist dabei ebenso wichtig wie das Schütteln; bei jeder Verdünnungsstufe wird von neuem ausgiebig geschüttelt oder, bei festen Ausgangsarzneien, mit Milchzucker verrieben.

Außerdem gibt es Zentesimalpotenzen.  In diesem Falle würde es heißen: Ignatia C 6. Diese werden in Hunderterschritten hergestellt von 100-1 bis 100-6 = Ignatia C 6. Die meisten Arzneien können wahlweise als Verreibung mit Milchzucker in Tablettenform gepreßt oder als Verdünnung in alkoholisch-wäßriger Lösung gekauft werden.  Außerdem sind besprühte Arzneikügelchen, die sogenannten Globuli, im Handel.  Sie sind am längsten haltbar.  Die Form der Arzneianwendung kann den Erfordernissen des täglichen Lebens angepaßt werden.

Der Name »Potenz« wurde von Hahnemann auch deshalb gewählt, weil es sich hier nicht um eine Verdünnung im üblichen Sinne handelt, die zu einer Minderung der Substanzwirkung führen müßte, sondern es tritt im Gegenteil eine Steigerung ein, eine Potenzierung der Wirkenskräfte.  Dies wird erreicht durch die Rhythmisierung der Substanz im gestuften, sich wiederholenden Potenzierungsprozeß.  Naturgemäß ruft die Verwendung solcher Potenzen die Abwehr einer bestimmten Gruppe von Wissenschaftlern hervor.  Es spricht jedoch für sich, daß die Hochpotenzen sich bei Patienten und Ärzten so lang gehalten haben, weil immer wieder die Wirkung beobachtet worden ist.

Vorteile und Grenzen der homöopathischen Medizin

So liegen in den homöopathischen Mitteln Arzneien vor, die in fein abgestufter Weise über den Körper hinaus bis in seelische Bereiche wirken. Durch individuelle Anpassung kann eine weit kleinere Dosis gewählt werden, als es schulmedizinisch üblich ist.  So sind homöopathische Mittel im allgemeinen unschädlich, wenn auch die Stoffe, weiche die homöopathische Pharmazie verwendet, keineswegs immer unschädlich sind.  Es finden sich darunter zum Beispiel giftige Substanzen wie Arsen oder Phosphor oder auch Giftpflanzen wie die Tollkirsche.

Da die homöopathische Medizin verordnet wird aufgrund der Arzneimittelprüfung am gesunden Menschen, ist sie eine menschliche Methode.  Sie basiert nicht auf Tierversuchen, sondern auf den Beobachtungen und der Aussage von Menschen.  Dadurch kann sie individuell im Gespräch zwischen Arzt und Patient gut angepaßt werden, sowohl bei Beschwerden auf körperlichem wie auf seelischem oder geistigem Gebiet.  Dies bringt den Vorteil, daß sich Arzt und Patient nicht auf einer menschlichen Ebene begegnen.  Verständlicherweise gibt dies eine andere Grundlage für die Behandlung, als wenn zum Beispiel Antibiotika nach kg Körpergewicht verordnet werden.Viele chemische Medikamente beseitigen nur Symptome oder dämpfen sie, heilen jedoch nicht im eigentlichen Sinne. Der homöopathische Arzt achtet zwar genauer auf die Art der Symptome des einzelnen Menschen, um das Arzneimittel zu finden, geht aber trotzdem nicht "symptomatisch" vor, sondern greift genau und tief ein in das Krankheitsgeschehen, das den ganzen Menschen in seiner individuellen Prägung betrifft.

Natürlich hat homöopathische Methode ihre Grenzen.  Als Reizbehandlung ist sie darauf angewiesen, daß der Organismus auf den Reiz zu antworten vermag.  Dies ist bei geschwächten Kranken manchmal nicht der Fall.  Manchmal muß der Mensch seine Lebensgewohnheiten ändern, wenn sie die Heilung behindern.

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