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Zur Verwandtschaft zwischen Mensch und Natur

Mensch und Naturreiche sind durch ihre gemeinsame Evolution verwandt. Körper-, Lebens- und Bewusstseinsbildung charakterisieren die drei großen Entwicklungsstufen vom Mineral- bis zum Tierreich.

Physischer Leib

Aus den Stoffen der unbelebten, mineralischen Welt bauen Pflanze, Tier und Mensch ihren physischen Leib auf. Dieser physische Leib aller lebenden Organismen ist messbar, wägbar und chemisch-analytisch quantitativ zu untersuchen. Er macht jede Gestalt räumlich sichtbar. Er kann mit Hilfe der naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden in umfassender Weise beschrieben werden. Dabei wird aber meist nicht beachtet, dass diese physische Organisation immer aus lebendigen Entwicklungsprozessen heraus gestaltet ist, die mit der Befruchtung beginnen. Erst wenn der Tod eingetreten ist, folgt der menschliche physische Leib nur noch den Gesetzen der Physik und Chemie, unterliegt dann ohne Leben, Seele und Geist den Gesetzmäßigkeiten der unbelebten Natur, der er entstammt, und wird rasch chemisch zersetzt und aufgelöst. Gleich nach dem Tode gehen die festen, flüssigen und gasförmigen Bestandteile des Leibes ihre eigenen Wege und machen so deutlich, dass sie sich zur menschlichen Gestalt nur zusammenfügen lassen, wenn der physische Leib von den Gesetzmäßigkeiten des Lebens durchzogen ist und zusammengehalten wird.

Ätherleib

Die Pflanzen zeigen als Ausdruck ihrer Lebensvorgänge Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung. Diese finden sich auch bei Tier und Mensch. Für den Bereich, in dem sich die Gesetze des Lebendigen abspielen, verwendet Rudolf Steiner den Begriff Ätherleib. Das griechische Wort ,,Äther” bezeichnet den von Sonne und Sternen aufgehellten Himmelsraum. Dieser ist Voraussetzung für alle Lebenstätigkeiten der Pflanzen, die sich nach der Sonne orientieren und ihre Lebensenergie durch Photosynthese von ihr erhalten. Rudolf Steiner wollte mit dieser Begriffsbildung deutlich machen, dass die Phänomene des Lebendigen ohne Einbeziehung der planetarischen Welt nicht verständlich sind. Die Gesetze des Lebens hindern kontinuierlich den physischen Leib an seinem Verfall. Sie erweisen sich dadurch stärker als der Tod.

Die Gesetze der Vererbung, des Wachstums, der Regeneration, der rhythmisch sich wiederholenden Organfunktionen sind weitere Charakteristika des Ätherleibes. Hinzu kommt die Zeit als bestimmender Faktor lebendiger Vorgänge, die wir auch am Tagesgang der Gestirne ablesen. Jede Lebensäußerung ist an einen bestimmten Entwicklungs- bzw. Zeitlauf gebunden. Jeder Organismus, der einen Ätherleib besitzt, hat seine besonderen Zeitstrukturen, die für diesen ebenso charakteristisch sind wie die Raumgestalt für den physischen Leib.

Astralleib

Tier und Mensch folgen aber nicht nur den Gesetzen von Raum und Zeit, sie haben auch seelisches Innenleben. Wo Bewusstsein sich äußert, wo seelisches Leben sich regt, vollzieht sich auf der Ebene des Lebens der radikale Umschwung vom pflanzlichen zum tierischen Stoffwechsel, der auf Abbau gegründet ist. Die Pflanze, die neben dem physischen Leib nur einen Ätherleib besitzt, hat einen assimilierenden Aufbaustoffwechsel. Das Tier hingegen und auch der Mensch verdanken ihre seelische Regsamkeit, ihre Bewegungsfähigkeit, ihre rhythmische Verselbständigung und das Vermögen, Laute von sich zu geben, der Atmung, die die „Verbrennung” (oxydativer Abbaustoffwechsel) ermöglicht.

Das menschliche Bewusstsein umfasst sowohl die Informationen, die über die Sinne aufgenommen werden, als auch die durch das Denken bestehende Möglichkeit des geistigen Anschauens, was sich auf den gesamten Kosmos und seinen Werdegang erstrecken kann. Nichts gibt es im Weltenall, was nicht Gegenstand menschlicher Bewusstseinstätigkeit sein könnte.
Daher benennt Steiner den Astralleib, einem älteren Ausdruck folgend, nach Aster = Stern, um deutlich zu machen, dass er die Gesetze der gesamten kosmischen Ordnungen enthält, in die auch die Erde als Weltenkörper einbezogen ist.

So hat der Astralleib größte Gegensätze in sich zu vereinigen: Das an die Sinne und den physischen Leib gebundene ,,Erdenbewusstsein" und das durch das Denken mögliche „kosmische Bewusstsein”. Die den Lebensvorgängen innewohnenden Triebkräfte werden als Begierden, Wünsche, Neigungen ebenso durch ihn bewusst gemacht wie die Gesetze der Vernunft und der Moral. Sympathie und Antipathie, d.h. die innere Bewegungsdynamik des Gefühlslebens, sind dabei die bestimmenden, orientierenden Kräfte. Freude und Schmerz, Lust und Unlust sind die bildenden Kräfte des seelischen Erlebens.

Ich-Organisation

Das Auftreten und Handhaben der Ich-Organisation unterscheidet den Menschen grundsätzlich von Tier, Pflanze und Mineral. Sie ist Träger des typisch menschlichen Selbstbewusstseins, womit die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen und zur freien Selbstbestimmung verbunden ist. Was die Tiere als trieb- und instinktgebundene Wesen nur ausleben können, so wie es in ihrer Natur veranlagt ist, lernt der Mensch bis zu einem gewissen Grade zu beherrschen und sich frei verfügbar zu machen. Es ist ihm dies möglich, weil er die Gesetzmäßigkeiten der Wärme individuell handhaben kann und zum Träger seiner Persönlichkeit macht. Die höheren Tiere können das nicht, obwohl auch sie schon einen Wärmeorganismus haben. Sie haben aber keine Ich-Organisation, durch die die Wärme individualisiert und zum Ausdruck der Persönlichkeit werden kann. Von der Ich-Organisation aus kann der Mensch auch die anderen Seinsebenen so beherrschen, dass letztlich auch der physische Leib ein getreues Abbild seines seelisch-geistigen Lebens wird.

Je gesünder der Mensch ist, um so fähiger ist er, seinen Charakter und sein Wesen in allen vier Seinsbereichen zu äußern und darzustellen. Krankheit hingegen bedeutet stets ein Dominantwerden von Naturvorgängen, in dem die Gesetze eines der vier Wesensglieder (physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation) nicht mehr im Einklang sind mit denen der anderen. Jede Störung ist daher letztlich auch mit einer Störung der Ich-Organisation verbunden, da der Prozess der Integration gestört ist, dessen Träger die Wärme ist.

Aufgrund der gemeinsamen Entwicklung wirken also im menschlichen Organismus Gesetzmäßigkeiten, die in der mineralischen, pflanzlich-lebendigen und animalisch-empfindenden Umwelt getrennt zu finden sind. Sie müssen von der Ich-Organisation dauernd während des Lebens integriert, d.h. vermenschlicht werden. Ernährung und Verdauung lassen diese Beziehungen zwischen Mensch und Naturreichen wieder auf besondere Weise deutlich werden.